Angst vor der Angst

Angst vor der Angst

Angst gehört zu unserem evolutionären Erbe und soll uns eigentlich vor unnötigem Schaden schützen.

Heutzutage steht uns Angst jedoch in vielerlei Hinsicht im Weg und verhindert oft – sowohl im persönlichen, wie auch im gesellschaftlichen Leben – Wachstum und Entwicklung.

Die kollektive Angstspirale

Angst zu versagen, Angst nicht gut genug zu sein, Angst ausgelacht zu werden usw. kennt wohl jeder von uns. Manchmal kann man die Angst mit rationalen Argumenten, oder mit Zahlen bekämpfen.

Oft aber machen sich Ängste sozusagen selbstständig und beginnen ein Eigenleben zu führen. Dann entfaltet Angst ihre fatalste Eigenschaft: wenn man ihr nämlich nicht rechtzeitig Einhalt bietet, dann breitet sie sich wie ein bösartiger Virus aus und erobert nach und nach alle Lebensbereiche. Die einen fürchten den Klimawandel, die anderen Überfremdung, Arbeitsplatz-und/oder Statusverlust und wir alle gemeinsam fürchten eine Zukunft, die uns alle eines Tages einfach aus dem Universum fegen könnte.

Statt aktiv einzugreifen lassen wir zu, dass wir von kollektiven Gefühlswallungen mitgerissen werden, sei es Empörung, oder Wut, oder einfach nur hilflose Ohnmacht. Im gemeinsamen Klagen scheinen viele Menschen kurzfristig Trost zu finden und können wenigstens die eine Angst vergessen, nämlich all dem Unglück vollkommen allein ausgeliefert zu sein.

Nach den furchtbaren Jahren der „Grossen Depression“ sagte Franklin D. Roosevelt 1933 in seiner Antrittsrede:
„The only thing we have to fear is fear itself.“
Mit diesen Worten hat der 32. Präsident der USA eine neue Politik gegründet.
Zeitgleich mutierte in Deutschland die kollektiv empfundenen Angst zur Tyrannei der Nationalsozialisten und führte zum bisher schrecklichsten aller Kriege.

Warum es an Vertrauen mangelt

Die Zunahme der Angst in den Industrieländern hat viele Gründe, hier genügt es jedoch kurz daran zu erinnern, wie unsere Großeltern noch gelebt haben.
Während sich früher das Leben in einem relativ begrenzten Rahmen von Familie, Dorf oder auch Stadt, abgespielt hat, sind die meisten von uns heute mit der ganzen Welt verbunden.
Früher wurde, wenn der Vater Tischler war, der Sohn auch Tischler. Wenn es im Nachbardorf ein Mädchen im heiratsfähigen Alter gab, dann hat man den Sohn mit ihr verheiratet. Wissen war limitiert und beschränkte sich zumeist auf Kenntnisse aus der Bibel und sogar dieses Wissen war nicht jedem zugänglich.
Dieses „früher“ ist noch nicht sehr lange her und es scheint, als würde die Evolution unserer Gehirne mit dem technologischen Fortschritt nicht immer mithalten können.
Wir sind es nicht gewohnt ständig über „richtig oder falsch“ entscheiden zu müssen. Wir haben es nicht gelernt permanent Wettbewerbssituationen ausgesetzt zu sein. Und wir sind nicht in der Lage auch nur annähernd so viel Wissen/Informationen zu verarbeiten, wie uns zur Verfügung steht.

Angst ist ein Mangel an Vertrauen

Wir verfügen über keinerlei Erfahrungen im Umgang mit so viel Ungewissheit, so vielen Möglichkeiten und der schier unendlichen Menge an sich teilweise widersprechenden Informationen, die uns permanent erreichen.

Eben deshalb ist es nötiger denn je zuvor Vertrauen anstatt Angst zu verbreiten, denn um die unzähligen Probleme und Sorgen, die uns plagen, können wir nur bewältigen, wenn wir unser gesamtes kreatives Potenzial mobilisieren. Wer die Weite fürchtet, wird sich niemals aus seiner beengten Wirklichkeit befreien können, um die Welt der Ideen zu betreten.

Aus Furcht wird Ehrfurcht

Alle Tiere, also auch das Menschentier, kennen die Angst vor der Vernichtung der Existenz. Allein der Mensch ist in der Lage aus Furcht Ehrfurcht und aus Ehrfurcht Faszination entstehen zu lassen.
Die Menschenwelt ist ziemlich klein und beengt. Wenn sich aber der Blick weitet und auf all die Wunder, die das Universum sonst noch aufbietet blickt, dann wird man schnell feststellen, dass man selbst eines von diesen Wundern ist. So wird aus Furcht ehrfürchtiges Staunen.

Und hier wieder eine Einladung zu einem kleinen Gedankenexperiment:

Schauen Sie bitte auf Ihre Hand. Sie sehen die Haut, vielleicht einige feine Härchen, Falten, Sommersprossen oder Altersflecken….jetzt stellen Sie sich vor, Sie können tiefer schauen und sehen die Muskeln und Sehnen, das Gewebe und die Knochen…und wenn Sie noch tiefer schauen, dann sind dort ihre einzelnen Zellen. Jede Zelle hat seine Aufgabe, die sie mit äusserster Sorgfalt erledigt. Das allein würde schon ausreichen, um zu erkennen, welches Wunder die Natur vollbracht hat, damit Sie existieren können.
Wenn Sie aber auch noch eine Schicht tiefer schauen, dann sehen Sie ihre Atome und aus diesen Teilchen besteht das gesamte Universum. Ihre Atome durchqueren seit Urzeiten das Universum und werden es noch tun, wenn sogar eines fernen Tages unsere Sonne stirbt.
Das ist das wirkliche Wunder! Und das ist derart ehrfurchtgebietend und faszinierend, dass sie uns alles Furcht vergessen lassen sollte.
Staunen Sie einfach!

 

 

 

2017-11-11T17:17:17+00:00

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