Malerin

Malerin

 

…oder Künstlerin, oder was….?

Es gibt sehr viele Mythen, die sich um den Künstlerberuf ranken, die meisten stimmen absolut nicht mit der Realität überein und werden allenfalls von jenen gepflegt, die die Bezeichnung „Künstler“ in einer Art und Weise tragen, wie andere einen Hut, oder eine Halskette. Es ist Schmuck, man kann es ablegen, austauschen oder in den Müll werfen. Der Künstlerberuf ist eher eine Art Tätowierung.

Wenn man sich einmal dazu entschlossen hat, ist es nicht mehr einfach zu entfernen und warum auch? Nur weil sich mit 30 oder 40 der erträumte Erfolg noch nicht eingestellt hat? Dann sollte man sich zunächst einmal mit sich selbst hinsetzen und die eigene Definition von Erfolg überprüfen. Man wird sehr häufig feststellen müssen, dass sich hinter dem Begriff der narzisstische Trieb verbirgt, der nur das als Leistung akzeptieren kann, wovon der Rest der Welt begeistert ist, wofür man bewundert und beneidet wird. Das ist die erste und vielleicht wichtigste Phase der Selbsterkenntnis eines Künstlers. Wenn Kunst nur als Selbstzweck, nur zur eigenen Befriedigung erschaffen wird, dann ist es sicherlich in Ordnung, warum nicht? Aber nur, weil man von sich selbst und von der eigenen Arbeit begeistert ist, sollte man nicht erwarten, dass dies für die ganze Welt gilt. Sobald ein Bild die Öffentlichkeit erreicht, zählen ganz andere Maßstäbe, als die Selbstverliebtheit. Ganz im Gegenteil sogar! Das Publikum merkt es. Sie spüren es, ob jemand für die Welt malt, ob jemand die anderen bereichern möchte, oder die Malerei missbraucht, um sich selbst aufzuwerten, oder in einem besseren Licht erscheinen zu lassen. Selbstdarsteller werden früher oder später kollektiv abgestraft und im Zeitalter des Internets kann so sehr schnell aus einer Fanseite bei FB der Grab der öffentlichen Anerkennung werden, der unter einem Shitstrom erstickt. Ich finde das gut so, denn es fördert die Authentizität und zwingt viele dazu doch etwas anderes zu tun, als z. B. zu malen, um sich selbst einen Wert zu verschaffen.

Es gab vor etwa 12 Jahren eine Welle, nein es war eher ein Tsunami von Bildern, die das Internet überschwemmt haben. Jeder der ein Pinsel halten konnte ernannte sich zum Künstler, schrieb eine künstlich aufgebauschte Vita (am liebsten in dritter Person) und fühlte sich getrieben das Selbstgemalte zu Kunst zu erklären und versuchte sie zu Traumpreisen von mehreren Tausend Euro an die Wände zu bringen. In dieser Zeit habe ich mich völlig zurück gezogen und aufgehört mich als Künstlerin zu bezeichnen. Ich wurde Malerin und das war gut so, denn die Malerei ist zwar ein wundervoller Beruf, aber sie hat wie alle Berufe weit mehr mit praktischen Aufgaben und Handwerk zu tun, als mit Spinnereien und dem Besuch von Vernissagen. Das gilt übrigens für andere Kunstrichtungen auch. Alle Schauspieler, Musiker, Architekten, Fotografen etc. die ich im Laufe meines Lebens kennen gelernt habe, sind Arbeitstiere, wie ich. Es ist dieser Trieb, diese Besessenheit noch mehr aus sich selbst rauszuholen, jeden Tag besser zu werden, als am Tag zuvor, der diese Menschen (und auch mich) antreibt. Und ob die auf dieser Art entstandenen „Werke“ für die Welt eine Bedeutung haben, oder nicht, nun diese Entscheidung kann man getrost der Welt überlassen, denn nicht alles, was für einen selbst als wertvoll erscheint, ist auch zwangsläufig wertvoll für andere Menschen.

Diese Regel gilt aber ebenso umgekehrt. Ich habe sehr oft erlebt, dass Bilder, die ich persönlich nicht besonders gut fand, jemanden gefunden haben, der sich in sie „verliebt“ hat. Zu Anfang hat mich das sehr oft irritiert, aber dann wurde es mir mit der Zeit klar, dass ich nicht das Recht habe, diese Bilder jenen vorzuenthalten, die sie offenbar mögen und brauchen.

Ich male die Bilder lediglich und darf sie für mich klammheimlich bewerten, aber es wäre arrogant und selbstgefällig, wenn ich mein Publikum dadurch entmündigen würde, dass ich ihnen die Chance eine eigene Entscheidung gar nicht erst ermögliche.

Die “Welt” entscheidet selbst, ob eine Arbeit für sie wertvoll ist, oder nicht.

 

2014-11-19T19:05:46+00:00

One Comment

  1. Erika Neumann 1. Mai 2014 at 17:37

    Das ist einfach wunderbar geworden Etelka und Lars❤️

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