Wie wird man Künstler?

Wie wird man Künstler?

…oder gibt es vielleicht doch das Künstler-Gen?

Die Frage ist nicht richtig, denn man wird nicht Künstler, entweder man ist es, oder man ist es nicht. Und meiner Meinung nach spielt Talent hierbei eine untergeordnete Rolle. Ich hätte mit diesem unbändigen Trieb nach „neu“ nach Veränderung und Spiel, ebenso gut Floristin oder Steuerberaterin werden können. Künstler definiere ich persönlich nicht auf Grund der ausgeübten Tätigkeit, sondern ausschließlich über die Art, wie man die Dinge tut, die man tut.

Ein Künstler „will“ und „muss“ nicht. Ein Künstler ist allenfalls der Sklave seiner eigenen Obsession, aber niemals sollte er sich von Erwartungen, von Konventionen oder sonstigen Einschränkungen, die scheinbare Sicherheit versprechen, korrumpieren lassen. Das soll natürlich nicht bedeuten, dass ein Künstler aus der Welt fallen muss. Ganz im Gegenteil. Auch meine Arbeit bekommt seinen Sinn erst dadurch, dass es anderen Menschen dient.

Freiwillig und selbstbestimmt

Es geht lediglich um das Bewusstsein von Freiwilligkeit. Um Selbstbestimmung. Jeder Pinselstrich ist das Ergebnis einer selbstbestimmten Entscheidung; ob sie bewusst oder unbewusst gefällt wurde spielt hierbei keine Rolle.

Es ist einfach das „ich“, das meine Hand beim malen führt und nichts anderes. Dass diese Erkenntnis sich gerade in der Malerei regelrecht aufdrängt, hat einen sehr einfachen Grund: die Malerei ist ein ziemlich einsamer Job, sie findet überwiegend in völliger Abgeschiedenheit im Atelier statt und es gibt niemanden außer mir, der an dem Bild mit gemalt hat, den ich zur Verantwortung ziehen könnte. Nein, es war nur ich.

Sicher gäbe es hier einige Möglichkeiten in die Metaphysik oder Esoterik zu flüchten, aber wozu? Es ist schon schwer genug, sich selbst und die eigene Position, die man in der Welt einnimmt zu erkennen, warum sollte man es durch komplizierte Gedankengerüste, die zwar sicherlich eine wohlgefällige Eleganz haben können, aber ansonsten relativ wertlos und schnell vergänglich sind, noch mehr erschweren.

Also wozu irgendwelche Geister und Musen herbeizaubern wollen, wenn es sehr viel einfacher geht. Ich war es, die das gemalt hat und Punkt. Ich muss auch mit den Konsequenzen leben, denn diese werden mir von all den guten (oder bösen) Geistern sicherlich nicht abgenommen.

Daher drängt sich also tatsächlich die Erkenntnis eines selbstbestimmten Wesens, das im Atelier tätig ist, regelrecht auf und auch wenn es zunächst recht unkomfortabel scheint für alles selbst verantwortlich zu sein, langfristig ist es die einzige Lebenshaltung, die meiner Ansicht nach zu einem erfüllten Leben führen kann.

 

 

2017-05-16T18:16:39+00:00

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